Tags
Scheinbar haben Artikel zum Wandel der Geschlechterverhältnisse gerade mal wieder Konjuntur…
Nina Pauer schreibt im Feuilleton der Zeit über “Schmerzensmänner”, die zu “verkopft, gehemmt, unsicher, nervös und ängstlich” sind, “melancholisch und ratlos.” Die lieber versuchen, jede potenzielle gemischtgeschlechtliche Relation tot zu diskutieren und den entscheidenden “move” nicht hinkriegen….
Christoph Scheuermann kontert in der Lieblingsonlinezeitschrift für jungdynamische Internetaffine, das Problem sei nicht nur der “Lieber-nicht-Mann”-Schluffi, sondern die “Optimierer-Frau”, die nicht nur Abendessen mit Freunden steuerlich geltend macht um noch noch paar Euro zu sparen, sondern auch alles und sofort will: Freiheit und Karriere, gemeinsame Küche, verständnisvollen Mann und doch ein bisschen Macho.
Eine Männerstrickjacke auf der Fashionweek illustriert den Artikel von Jenny Friedrich-Freksa in der F.A.Z., der allein mit dem Titel “Küssen kann man nicht alleine” auf die gute alte F.A.Z. hoffen lässt… Fast. Die Trauer um den entscheidenden “move”, der doch bitte kommen soll, bleibt gering: “Das wäre schön, das wäre einfach, vor allem für die Frauen. In vier Fünfteln aller Lebenssituationen – ob bei der Arbeit, im Beziehungsgespräch oder beim Bäcker – treffen sie Männer „auf Augenhöhe“, aber dann, plötzlich, nachts in der Bar, säße da ein echter Kerl, einer, der weiß, was zu tun ist.” Für die Autorin zeigen die genannten Männer Mut, die herkömmlichen Pfade der vorgegebenen Geschlechterrollen zu verlassen. Die Strickjacke als Pendant zur Lila Latzhose.
Die Diskussion wird zunehmend abstrus… Bei aller Überzeugung, dass überkommene Geschlechterrollen nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer einschränkend und belastend sind: Eine Strickjacke zu tragen bedeutet nicht, kein Macho zu sein. Und “hyperreflektieren” heißt auch nicht automatisch, auf Augenhöhe mit einer Partnerin zu diskutieren. Vor allem ist Wankelmütigkeit nicht notwendigerweise ein Ausdruck von Unsicherheit über die eigene Geschlechterrolle. Diese Interpretation blendet gewissen gesellschaftliche Machtverhältnisse aus: Die “Optimierer-Frauen” haben vielleicht die Erfahrung gemacht, dass sie immer dreimal so viel leisten müssen, um auch nur annähernd gleiche Chancen zu haben, wie ihr gleichaltriger Kollege. Und der Strickjackenmann kann sich die ausdauernde Jugend bis Mitte dreißig auch nur erlauben, wenn er es sich finanziell leisten kann und weil er trotzdem oft im Beruf als Mann weniger darum kämpfen muss, von Vorgesetzten und KollegInnen Ernst genommen zu werden. Und sich im Zweifel auch noch mit Anfang vierzig dafür entscheiden kann, einen traditionellen Weg einzuschlagen.