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Heute vor zwanzig Jahren begannen die unsäglichen, fast eine Woche dauernden Übergriffen gegen ausländische ArbeiterInnen in Hoyerswerda. Brandsätze, von Neonazis in Wohnungen geworfen und eine jubelnde – oder zumindest wohlwollend schweigende – Bevölkerung darum herum schafften Bilder, die das fröhliche Trallala der deutschen Einheit ins rechte Licht rückten.

Enttäuschte Erwartungen in die Wiedervereinigung, Arbeitslosigkeit werden als Gründe genannt. Das klingt nach einer einfachen Erklärung, sagt aber noch nichts darüber aus, warum diejenigen zu Opfern wurden, die bereits als VertragsarbeiterInnen der DDR seit vielen Jahren in den entsprechenden Regionen lebten und arbeiteten. Antifaschismus war in der DDR Staatsräson. Per Definition wurde alles, was rechts war, auf den Westen projiziert. Nicht nur durch den “antifaschistischen Schutzwall”, sondern auch dadurch, dass die Verantwortung für die Shoah auf Westdeutschland reduziert wurde und die Haltung zum israelischen Staat durch die Blockkonfrontation bestimmt war. Rechte Identität und Überzeugung als systemoppositionelle Haltung war damit (nicht nur) unter Jugendlichen verbreitet. Wenn man sich die Bilder von damals anschaut, erscheinen einem die Hitlergruß-Zeigenden wie erleichtert und frei, endlich zeigen zu dürfen, was so lange verboten war.

Und zwanzig Jahre später? Diskussionen sind weiter gegangen, staatliche Mittel sind in Opferberatung und Demokratieprojekte geflossen. Mittlerweile saßen und sitzen rechtsextreme Parteien in Parlamenten, und fliegen wieder raus. Uwe Karsten Heye warnte pünktlich zum nationalen Fußballtaumel WM 2006 vor “No-Go Areas” im Osten. Damals viel gescholten, hat er etwas ausgesprochen, was einerseits viele dachten und denken, die sich mit dem Thema Rassismus und Extremer Rechte auseinandersetzen. Daran hat sich nichts geändert, sagt er heute. Wie recht er hat, zeigt sich auch zwanzig Jahre später in der medialen Nachlese der damaligen Ereignisse: Die Zeit widmet sich in einem Portrait einem der betroffenen Opfer, dem Arbeiter Manuel Nhacutou aus Mosambik, der nach zwanzig Jahren an eben diesen Ort zurück kehrt und erneut mit rassistischen Übergriffen konfrontiert wird.

Aber das ist kein Problem des Ostens. Auch in westdeutschen Städten finden Übergriffe statt. Und die Mittel, die der Staat für Projekte zur Demokratieentwicklung bereit stellt, werden nicht mehr gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit allein eingesetzt. Mittlerweile müssen sich alle, die mit ihrer Arbeit eine Demokratie erst für alle zum funktionieren bringen wollen, dem Generalverdacht aussetzen, nicht demokratisch zu sein und dank der Bundesregierung seit diesem Jahr eine “Demokratieerklärung” unterzeichnen.

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