Geschichtsrevisionismus reloaded
Erika Steinbach (CDU), besser bekannt als Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, sollte gestern Abend einen Vortrag an der Universität Potsdam halten. Die Veranstaltung war der Auftakt zu einer Reihe zum Thema »Siedlungsgeschichte der Deutschen in Ostmitteleuropa«, die das Historische Institut als wissenschaftliche Vortragsreihe verstanden haben möchte. Steinbach hat in der Vergangenheit mehrfach gezeigt, welches Verständnis sie von der »Siedlungsgeschichte« der »Deutschen« hat. So stimmte sie als Mitglied des Bundestages gegen die Anerkennung der deutsch-polnischen Grenze und gegen die deutsch-tschechische Aussöhnungserklärung. Unbekannt ist auch keineswegs die geschichtsrevisionistisch anmutende Aktivität des »Bundes der Vertriebenen«. Das Konzept der »Heimat« basiert auf einem völkischen Denken, in dem die Ideologie von Blut und Boden das Recht auf Besitz konstituiert. Damit einhergehend werden TäterInnen und Opfer des Nationalsozialismus als »Vertriebene« definiert und in geschichtsverfälschender Weise verklärt.
Durch den klaren Protest von Potsdamer Studierenden konnte die gestrige Veranstaltung verhindert werden. Gleichzeitig war auf dem Potsdamer Campus ein massives Polizeiaufgebot zugegen, um gegen die protestierenden Studierenden vorzugehen. Einige Studierende wurden dabei verletzt. Besonders pikant: Die Polizei wurde nach Angaben des AStA von Professoren angefeuert, doch mal »draufzuhauen«. Einer der Professoren war angeblich der Staats- und Völkerrechtler Prof. Dr. Eckart Klein, Leiter des Menschenrechtszentrum der Universität Potsdam.
UPDATE
Die Hochschulleitung hat im Nachgang der Proteste die weiteren Vorträge vorerst ausgesetzt. Als Reaktion darauf hat Steinbach die weiteren Veranstaltungen ihrerseits abgesagt, da die Hochschulleitung keinen »störungsfreien Verlauf« garantieren könne.
Webseite des AStA mit weiteren Informationen
Nationalismus und Popkultur
Spätestens seit der schwarz-rot-goldenen Schallala-Euphorie der Fußballweltmeisterschaft ist klar, dass Fussball und Nationalismus nicht mehr zu trennen sind. In feucht-fröhlicher »Deutschlaaaand«-Gefühlsduselei wird oftmals eine Anschlussfähigkeit geschaffen, über die man sich keine Gedanken machen möchte. Alle KritikerInnen gelten als SpielverderberInnen.
Unter dem Titel „Deutsche Normalitätseuphorie“ findet am 30. und 31. Mai ein Kongress zur Kritik des Nationalismus in Sport und Popkultur im Studierendenhaus der Frankfurter Universität statt. Die OrganisatorInnen wollen sich den ganzen Spaß aus kritischer Perspektive ansehen und für nationalistische Tendenzen sensibilisieren. Die Tagung ist nicht nur unbedingt nötig, sondern auch mit spannenden ReferentInnen besetzt.
Nazis vergessen?
Bei der Zusammenkunft der Landsmannschaft Ostpreußen hat die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Christa Stewens (CSU) eine merkwürdige Feststellung gemacht: »Die Vertreibung der Deutschen … war die größte ethnische Säuberung, die es je gab in Europa«, stellte sie fest. Da bleiben nur zwei Interpretationen: Entweder das bayerische Schulsystem ist zumindest im Geschichtsunterricht nicht so schön wie mancher Schein oder Frau Stewens ist vergesslich.
Quelle: taz
gay victim memorial inaugurated
The memorial for all gay victims of the Nazi times has been inaugurated in Berlin. After a long fight the federal parliament decided to build the memorial in 2003. The memorial shall not only commemorate the persecution of gay in the Third Reich. The discussions held around the construction of the memorial show, how ever-present the discrimination of gay people is up until today.
The memorial is a concrete ashlar, opening a window to an everlasting movie with two kissing men. It is placed in Tiergarten.
ProVoc – Vocabulary training
Learning a new language? ProVoc is supporting your day-by-day training. You edit your own vocabulary list and find various ways to train them.

